Traditionsreicher Wettbewerb seit bald 80 Jahren

Traditionsreicher Wettbewerb seit bald 80 Jahren Eine Woche eher: Gildenmeisterschießen auf dem Schießstand am kommenden Sonntag, 28. Mai

Lage (wi). Das traditionelle Gildenmeisterschießen findet normalerweise zwei Wochen vor dem großen Volksschützenfest statt, das in diesem Jahr vom 16. bis 19. Juni 2017 gefeiert wird. Wäre der Vorstand der Schützengilde der klassischen „Zwei-Wochen-Regel“ gefolgt, hätte der Schießwettbewerb um die Gildenmeisterkette am Pfingst­sonn­tag ausgetragen werden müs­sen - also am 4. Juni 2017. Pfingsten als Termin des Gildenmeisterschießens schied für den Gildenvorstand allerdings aus. Er zog den Wettbewerbszeitpunkt um eine Woche vor. Folglich trägt die Schützengilde der Stadt Lage
das Gildenmeisterschießen auf ihrem Schießstand bereits am kommenden Sonntag, 28. Mai, aus.
Der Gildenmeister-Wettbewerb am nächsten Sonntag wird die Frage nach dem tagesbesten Schützen bzw. der treffsichers­ten Schützin beantworten. Während der Morgenfeier am Schützenfestsamstag, 17. Juni, wird der Sieger bzw. wird die Siegerin des Gildenmeisterschie­ßens von Oberst Michael Krügermeyer-Kalthoff mit der Gildenmeisterkette ausgezeichnet.
Das Schießen findet am 28. Mai durchgehend statt von 10 bis 18 Uhr. Eingeladen dazu sind alle Mitglieder - also Männer und Frauen - der drei Kompanien, um im fairen Wettstreit den Tagessieger zu ermitteln. Außerdem wird die Kompanie mit dem besten Durchschnittsergebnis vom Oberst mit einem Wanderpokal ausgezeichnet.
Jeder Wettbewerbsteilnehmer feuert zuerst drei Probeschüsse und danach fünf Wertungsschüsse auf eine Zehnerscheibe (Kleinkaliber aufgelegt, Schussdistanz 50 Meter). Die Ringsumme der fünf Schüsse bildet das Schießergebnis. Zu einem Stechen kommt es, wenn die Summe aller fünf Schüsse der zwei oder mehr bes­ten Schützen identisch ist. Die Auswertungs-Software der Mey­ton-Anlage addiert die einzelnen Schießergebnisse in Echtzeit, so dass Bataillonsschießoffizier Rainer Ottemeier dem Oberst das Ergebnis des Gildenmeisterschie­ßens quasi unmittelbar nach dem letzten Schuss mitteilen kann. Die auswertende Software ermöglicht es zudem, die erzielten Schießergebnisse und sogar die individuellen Trefferbilder der Schützen unmittelbar per Liveview auf einen Bildschirm zu übertragen. Beim Gildenmeisterschießen 2009 feierte dieses Public Viewing seine Premiere und fand viel Anklang.

Kompanie-Wertung
Der parallel zum Gildenmeisterschießen ausgetragene Kompanie-Vergleich wird seit 1976 gewertet nach dem bis heute gültigen Modus, bei dem 15 Prozent der jeweiligen Kompaniestärke in die Wertung gelangen. Ein Beispiel: Von einer 200 Mitglieder starken Kompanie werden 30 Wettbewerbsteilnehmende für den Kompanievergleich gewertet. Zählte eine Kompanie 100 Mitglieder, kämen 15 in die Wertung. Aufgrund dieser Bewertungsregel ist es für die einzelnen
Kompanien besonders wichtig, dass möglichst viele Mitglieder am Wettstreit teilnehmen. Je höher die Zahl der Teilnehmenden ist, desto mehr durchschnittliche bzw. unterdurchschnittliche Schießergebnisse können gestrichen werden.

Geschichtliche Wurzeln
Der Gildenmeister bzw. die Gildenmeisterin wird mit einer Kette geehrt, die ihm / ihr auf der Morgenfeier des später stattfindenden Schützenfestes überreicht wird. Diese silberne Kette stiftete im Jahr 1933 der Schmiedemeister Beckmann, damals amtierender König. Sie war ursprünglich gedacht als Auszeichnung für den Hauptmann der Kompanie, die beim Königsschießen die meisten Zwölfen schießt. Der Hauptmann der dritten Kompanie, Riekehof, war beim Schützenfestumzug 1934 erster Träger der Gildenmeisterkette. Beim Schützenfest 1936 trug der Hauptmann der 2. Kompanie, Krügermeyer-Kalthoff, die Kette.
1938 wurden mit Zustimmung des Stifters die Regularien geändert: „… daß mit Wirkung vom diesjährigen Schützenfest (1938) die Auszeichnung dem Mitglied zusteht, das … beim Vergleichs-Schießen als bester Schütze und damit als Meister der Gilde hervorgeht. Er führt den Titel Gildenmeister.“ In den damaligen Bestimmungen wird also auch schon auf das Vergleichsschießen hingewiesen, das bis heute mit dem Gildenmeisterschießen verbunden ist. Sieger des Kompanie-Vergleichsschießens 1938 und damit erster Gildenmeister wurde Karl Reiche. Die Annalen der Schützengilde weisen für das Jahr 1939 als zweiten Gildenmeis­ter Emil Ottemeier aus.

Geselliges Treffen
Die Gildenmeisterschaft war noch nie ein reiner Schießwettbewerb. Sie war und ist immer ein geselliges und fröhliches Treffen der Kompanien - quasi eine Einstimmung auf das nahende Schützenfest. Parallel zum Aufschwung der Schützengilde ist in den zurückliegenden Jahren auch das Gildenmeisterschießen immer populärer geworden. Der bisherige Rekord liegt bei 608 Teilnehmenden, aufgestellt vor dem Jubiläumsschützenfest 2009. Weil vom Jubiläum der Schützengilde eine besondere Strahlkraft ausging, wird es schwer möglich sein, am kommenden Sonntag den damaligen Rekord zu übertreffen. Zur Erinnerung: Im Jahr 2001 waren 426, im Jahr 2003 dann 469, 2005 schließlich 505 und 2007 gar 562 Teilnehmende notiert worden, was damals jeweils Rekordmarken waren.
2011 traten 453 Schützen an. Im Jahr 2013 maßen 415 Teilnehmende ihre Zielsicherheit und Treffgenauigkeit. 2015 waren es 430 Schützen und Schützinnen.

„Frauen-Power“
Amtierende Gildenmeisterin ist Maike Haase, die nach Christel Stock (1977), Jutta Mikus (2005) und Julia Grünert (2013) als vierte Frau die Gildenmeisterkette im Jahr 2015 gewann. Zweimal hintereinander (2013 und 2015) entschieden Frauen die Gildenmeisterschaft für sich. Rechnet man noch Meike Wedemann hinzu, die im Jahr 2014 als beste Einzelschützin den Oberst-Pokal gewann, ist festzustellen, dass von den vier jüngsten kompanie- und genderübergreifenden Schießwettbewerben drei Wettbewerbe von Frauen gewonnen wurden. Das nennt man dann wohl „Frauen-Power“.
Den Kompanievergleich des Jahres 2015 gewann die 3. Kompanie (44,218 Ring). Den jüngsten Kompanievergleich im Jahr 2016 entschied die 2. Kompanie für sich (42,944 Ring).
Alle Wettbewerbsteilnehmer werden während des diesjährigen Gildenmeisterschießens von der 2. Kompanie, die dieses Jahr für die Bewirtung zuständig ist, mit Essen und Getränken versorgt.



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