Schwungvolles und intensives Weihnachtskonzert

Schwungvolles und intensives Weihnachtskonzert „Inspiration“ und „Voices of Confidence“ brillierten mit 44. „Songs for Christmas“ vor ausverkauftem Haus

Lage. „Look at the World“ mit der großartigen Solistin Asami Horie-Weber und „Colors of the Wind“ waren die zwei ersten Songs, mit denen die beiden Chöre „Inspiration“ und „Voices of Confidence“ vom Gospelchor Stapelage ihr Weihnachtskonzert in der katholischen Kirche St. Peter und Paul gemeinsam eröffneten. Die (im doppelten Wortsinn) harmonische Aufforderung dieser Lieder, auf die Welt zu schauen, um sich als Teil der Welt zu verstehen, war am Sonntag, 10. Dezember 2017, zugleich das unterschwellige Motto des Konzerts, mit dem die Stapelager Sänger und Sängerinnen rund zwei Stunden lang für aufmerksame, intensive aber auch unbeschwerte Stimmung in der ausverkauften Kirche sorgten.
Das Konzert „Songs for Christmas 2017“ fand in St. Peter und Paul statt, weil man zum Zeitpunkt der Konzertterminierung nicht hundertprozentig sicher sein konnte, dass die Renovierungsarbeiten in der evangelisch-reformierten Marktkirche tatsächlich abgeschlossen sein würden. Vorsorglich hatte der Gospelchor Stapelage deshalb in die katholische Kirche eingeladen.
Nahezu vom ersten Takt an gingen die Zuhörenden im Rhythmus der Lieder und Gospels mit und unterstrichen damit, dass ihnen der frische, natürliche und zuweilen poppige Sound der Frauen und Männer um Chorleiter Professor em. Rainer Weber bestens gefällt. Swing und Rhythmus ohne zu dick aufgetragene Sentimentalität, aber immer aufmerksam und konzentriert - so lässt sich weihnachtliche Musik zelebrieren, ohne sich im Balladesken zu verlieren.
Professor em. Rainer Weber hatte nachdenkliche, fröhliche und überaus populäre Songs zu einem Weihnachtskonzert zusammengestellt, dessen Schwerpunkt Lieder aus dem englischsprachigen Raum bildeten.
Nach Gospel-Tradition wurden einige Lieder präsentiert zusammen mit den Vorsängern bzw. Solistinnen: Ingo Einwachter, Asami Horie-Weber (auch im Duett mit ihrer neunjährigen Tochter Mira Weber), Helmut Mühlenmeier und Monika Rey. Unbedingt erwähnenswert auch die kurzweilige Moderation von Jutta Jarcke und Ingo Einwachter.
Großes Kino in der Kirche
Das diesjährige Gospel-Chor-Weihnachtskonzert war bereits das 44. Weihnachtskonzert in ununterbrochener Folge, zumindest was den Männerchor „Voices of Confidence“ betrifft. Für den Konzertauftakt, den der Frauenchor „Inspiration“ und der Männerchor „Voices of Confidence“ gemeinsam gestalteten, hatte Chorleiter Weber die eingangs erwähnte zeitgenössische Weihnachtskantate „Look at the World“ des britischen Komponisten und Chorleiters John Rutter (geb. 1945) ausgewählt. Dieser Kantate schloss sich „Colors of the Wind“ an, ein Lied aus dem Jahre 1995. Es wurde für den Film Pocahontas geschrieben von Alan Menken (Musik) und Stephen Schwartz (Text). Im Film versucht Pocahontas, John Smith davon zu überzeugen, dass die Schönheit der Natur erhaltenswert ist und nicht aus finanziellem Interesse zerstört werden sollte. „Colors of the Wind“ bekam einen Oscar und den Golden Globe jeweils in der Kategorie bester Filmsong. Großes Kino also in St. Peter und Paul!
Anschließend ließen die Männer von „Voices of Confidence“ keinen Zweifel daran, dass es bis Weih­nachten nur noch etwa zwei Wochen waren. Sie zelebrierten drei Lieder, die allesamt Weihnachtshits waren bzw. Eingang in die Pop-Kultur gefunden haben. „Silver Bells“ mit Helmut Mühlenmeier als Solist, „Jingle Bell Rock“ und „Feliz Navidad“.
Silver Bells ist ein weihnachtlicher Song aus dem bekannten Film „The Lemon Drop Kid“ mit Bob Hope und Merilyn Maxwell aus dem Jahr 1951. Ein Jahr vorher wurde das Lied durch eine Aufnahme von Bing Crosby bekannt. Jingle Bell Rock ist ein poppiger Weihnachtssong von Bobby Helms aus dem Jahr 1958, der teilweise an den Klassiker „Jingle Bells“ erinnert. Feliz Navidad schließlich ist einer der weltweit bekanntesten Weihnachtssongs von dem erblindeten Sänger und Musiker José Feliciano, der sowohl in Amerika als auch in Argentinien lebte (daher die Zweisprachigkeit des Liedes).

„From a Distance“
Es schloss sich ein Duo an, nämlich Monika Rey und Ingo Einwachter, die beide sehr intensiv „From a Dis­tance“ vortrugen, einen Song der amerikanischen Liedschreiberin Julie Gold aus dem Jahr 1980. Das Lied wurde allerdings erst 1990 weltweit bekannt durch Bette Midlers Coverversion. Diese Version bekam im Jahr 1991 einen Grammy als „Song of the Year“. Bette Midler nahm 2006 dieses Lied nochmals in einer leicht geänderten Weihnachtsversion auf, die im Konzert von Monika Rey und Ingo Einwachter gesungen wurde.
Die Inspiration-Sängerinnen trugen die nächsten beiden, sehr lebensfreudigen Lieder vor. Der Weihnachtssong „Candy Cane Lane“ widmet sich einer in der kleinen Stadt Duboistown im US-Staat Phila­delphia gelegenen Straße, der „Candy Cane Lane“, die besonders zur Weihnachtszeit unglaublich aufwändig beleuchtet und geschmückt wird. Das Lied stammt aus der Feder von Jeniffer Zuffinetti und wurde von der Gruppe „Point of Grace“ zur 50-Jahr-Feier der Straße im Jahre 2007 veröffentlicht. „Candy Cane Lane“ bitte nicht verwechseln mit dem ungleich bekannteren „Candy Man“ von Sammy Davis Jr.!
Es folgte „O Tannenbaum“, und zwar in der Version als „Weih­nachtslied für Eilige“: Ein teils moderner aber auch lustig gemeinter Weihnachtssatz nach dem Lied „O Tannenbaum“, in dem nicht weniger als 15 (!) Texte der bekanntes­ten deutschen Weihnachtslieder vorkommen. Danach traten wieder beide Chöre zusammen auf mit drei typischen Weihnachts-Gospelsongs: „It’s a Birthday“, „Wasn’t That a Mighty Day“ und „We Are Waiting for Christmas Day“.

„Mary’s Boy Child“
Nach der Pause setzten beide Chöre wiederum gemeinsam das Programm fort, u.a. mit „Run to Bethlehem“ - ein neuzeitliches, rhythmisches Weihnachtslied aus Amerika von Joel Raney, in dem auch Passagen des alten, aus Irland stammenden Weihnachtsliedes „What Child is This“ auf die Melodie „Greensleeves“ vorkommen.
Es folgte „Mary’s Boy Child“, ein im Jahre 1956 vom vielseitigen afro-amerikanischen Künstler Jester Joseph Hairston komponiertes, mehrfach gecovertes Weihnachtslied, das als einziges in zwei Versionen zum Millionenseller wurde. Die erste erfolgreiche Fassung stammt von Harry Belafonte (1956), die zweite von Boney M. (1978). Bevor dann wieder jeder Chor für sich das Publikum in seinen Bann zog, präsentierten die Männer und die Frauen noch gemeinsam „Gloria Hallelujah“, einen rockigen Weih­nachts-Gospelsong des deutschen Gospelsong-Schreibers Stephan Zebe, der seit den 1980er Jahren unter dem Pseudonym Jeff Guillen eine Menge interessanter Gospelsongs geschrieben hat und in Hamburg und Berlin verschiedene erstklassige Gospelchöre leitete.
Mit den Zugaben „We Wish You a Merry Christmas“ - in der Kirche sehr beschwingt vorgetragen in einer modernen Fassung mit deutschen Versen - und „O du Fröhliche“ - gemeinsam mit dem Publikum gesungen - bedankten sich „Inspiration“ und „Voices of Confidence“ sowie Rainer Weber und Schlagzeuger Pascal Pollmeier bei ihrem begeistert applaudierenden Publikum und wünschten ihm eine schöne Adventszeit und ein harmonisches Weihnachtsfest.

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