Bunte Bänder flattern im Wind

Bunte Bänder flattern im Wind Müssen-Billinghausen feierte wieder ein sehr gut besuchtes zweitägiges Maifest

Lage-Müssen. Es sei eine „sehr schöne Feier“ gewesen, strahlte Ingo Sundermann vom gemeinsamen Festausschuss des BSV Müssen und des TuS Müssen-Billinghausen, als er vom „Tanz in den Mai 2018“ berichtete. Die letzten Besucher seien erst früh am Morgen nach Hause gegangen. „Besser geht es wohl kaum“, fasste Ingo Sundermann die Stimmung während der Feier im Festzelt am Sportplatz in Müssen zusammen.
Die Band „Music & Fun“, die sowohl bei der Feier „800 Jahre Billinghausen“ (2015) als auch bei den bisherigen Maifeiern (2016, 2017) zu gefallen wusste, habe erneut begeistert. Kaum hätten die Musiker die Bühne betreten, sei die Tanzfläche quasi gestürmt worden. Die Festbesucher hätten ausgelassen gefeiert. Wenn die Band ihre Pausen einlegte, hielten die drei DJs „Flying Hirsche“, (André und Pascal Swoboda sowie Simon Schling) die Stimmung hoch. Und als die „Music & Fun“-Musiker das Zelt gegen 2.00 Uhr verließen, sei noch nicht Schluss gewesen. Erst gegen vier Uhr in der Frühe seien die letzten Besucher gegangen…
Der „Tanz in den Mai“ am Montag, 30. April 2018, und der „Frühschoppen“ samt Kaffeenachmittag am Dienstag, 1. Mai, bescherten der Gemeinschaft der Festveranstalter, bestehend aus den beiden Sportvereinen BSV Müssen und TuS Müssen-Billinghausen, sehr viele Besucher. Das zum dritten Mal in Folge in dieser Form im Festzelt angebotene Frühlingsfest war bereits im Vorverkauf ausverkauft gewesen. An der Abendkasse gab es nur noch ganz wenige Karten. Auch Frühschoppen und Kaffeenachmittag wurden gut besucht. Wenn es am 1. Mai ein wenig wärmer und sonniger gewesen wäre (wie zum Beispiel am 2. Mai), wären mit Sicherheit noch mehr Gäste gekommen.
Unter dem Beifall der Zuschauer wurde am Vormittag des 1. Mai der nach Veranstalterangaben elf Meter hohe Maibaum samt Maikranz mit bunten Bändern aufgerichtet. Aktive aus den Reihen von BSV Müssen und TuS Müssen-Billinghausen stellten die Stange auf, wobei eine neu gesetzte und fest betonierte Hülse wertvolle Hilfe leistete und Standsicherheit garantierte.
Im nächsten Jahr werde es wieder einen „Tanz in den Mai“ geben, stellte Ingo Sundermann in Aussicht. Man habe für das Jahr 2019 bereits jetzt den Fanfarenzug Blomberg verpflichtet. Bis dahin werde man sich auch Gedanken machen über ein „Werkzeug“, z.B. eine entsprechende Stange, um sich das Aufrichten des Maibaums zu erleichtern.
Am Mittag und am frühen Nachmittag des Feiertags unterhielten Auftritte der Jazztanzgruppe und der „Sunnerbieke Teenie-Garde“, beide vom TuS Müssen-Billinghausen, die Besucher. Stärken konnte man sich mit Erbsensuppe aus der Gulaschkanone, außerdem gab es Kaffee, Kuchen und Würstchen. Am Festzelt als Veranstaltungsort wolle man festhalten, so Ingo Sundermann. Zwar böten das TuS-culum und die Sporthalle Müssen mehr Platz für mehr Besucher, doch schätze man die besondere Festzelt-Atmosphäre. Ein „Tanz in den Mai“ im Frühling besitze eben einen ganz anderen Charakter als eine Karnevalsfeier im Winter.

Alter Brauch kehrt zurück
Mit dem jetzt zum dritten Mal erfolgten Aufstellen eines Maibaums haben sich Müssen und Billinghausen eingereiht in eine Gruppe von Ortschaften, die einen alten Brauch wieder haben aufleben lassen. Zum Beispiel wurde in Lage-Heiden der dortige Maibaum am jüngsten Mai-Feiertag zum 18. Mal aufgestellt. Im Jahr 2002 hatten die Blumen- und Gartenfreunde Heiden erstmals einen Maibaum auf dem Marktplatz aufgestellt. Christiane Cantauw von der Volkskundlichen Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat sich mit dem Phänomen der „neuen Maibäume“ beschäftigt. Sie weiß: „Seit bald 40 Jahren werden auch in Westfalen und Lippe vielerorts wieder Maibäume aufgestellt, um die herum am 1. Mai oder zu Pfingsten getanzt und gefeiert wird.“
Im 19. und vor allem im 20. Jahrhundert lasse sich ein Rückgang des ehemals bunten Treibens in der Mainacht und am Maitag beobachten. Die „Maizeche“ (der Tanz am Vorabend des 1. Mai) in Unna, die 1853 endgültig verboten wurde, sei kein Einzelfall. „Auch die Maigrafenfeste und Mailehen, bei denen die unverheirateten jungen Leute sich ein Oberhaupt wählten und teils ausschweifende Feste feierten, gab es zu dieser Zeit nicht mehr so häufig. Abgeschwächte Formen wie Maigänge und der Tanz in den Mai, der von Gaststättenbetreibern veranstaltet wurde, lösten das ehemals teils wilde Treiben ab.“


Der 1. Mai als Feiertag
Mit den offiziellen, politischen Maifeiern kam im 20. Jahrhundert noch eine andere Festkomponente hinzu.
Bereits die Weimarer Nationalversammlung hatte einen Anlauf genommen, den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag zu bestimmen. Das entsprechende Gesetz bezog sich allerdings nur auf den 1. Mai 1919. 14 Jahre später, 1933, wurde der 1. Mai dann von den Nationalsozialisten zum gesetzlichen Feiertag, dem „Tag der nationalen Arbeit“ erklärt. Er wurde mit Aufmärschen, Umzügen, politischen Reden, Fahnenweihen und mit dem möglichst flächendeckenden Aufrichten von Maibäumen begangen.
Die Tatsache, dass die Nationalsozialisten die Maibäume und Maifeierlichkeiten für sich vereinnahmt haben, trug nach 1945 nicht unwesentlich dazu bei, dass dieser Brauch in der Versenkung verschwand.
„Lokale Identität stärken“
Eine Umfrage der Volkskundlichen Kommission für Westfalen ergab 1948, dass nur noch in fünf von 275 Orten in Westfalen, die sich an der Umfrage beteiligt hatten, ein Maibaum aufgestellt wurde. Müssen, Billinghausen und Heiden, obwohl in Lippe und nicht in Westfalen gelegen, bildeten hier keine Ausnahme und stellten in den Jahren nach dem Krieg ebenfalls keinen Maibaum auf.
„Erst in den 1970er und 1980er Jahren stieg das Interesse für diesen Brauch wieder an. Unterschiedliche Vereine in Stadtteilen und ehemals selbstständigen Gemeinden wollen durch das Aufstellen von Maibäumen und die Veranstaltung eines Festes die lokale Identität stärken. Ein Anliegen, das vor allem seit der kommunalen Neuordnung durchaus an Bedeutung gewonnen hat“, berichtet Cantauw von den Beobachtungen der LWL-Volkskundler.

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