Der lange Marsch zum Jugendcafé und aktuelle Entwicklungen in der Stadt Lage

Der lange Marsch zum Jugendcafé und aktuelle Entwicklungen in der Stadt Lage

Lage.
Tatort AWO-Begegnungsstätte, 16.45 Uhr: Für Uwe Pohl, Ausschussvorsitzender des Jugendhilfeausschusses (CDU) und Monika Rieke (SPD), die langjährige stellvertretende Bürgermeisterin, war der Jugendhilfeausschuss am 28.10.2020 die letzte Amtshandlung vor dem politischen Ruhestand. Auf der Tagesordnung stand die Besichtigung der AWO Begegnungsstätte in der Jahnstraße 20 durch die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses. Laut Beschlussvorlage vom 27.08.2020 soll die Realisierung eines Jugendcafés an dem Standort Jahnplatz 20, Begegnungsstätte der AWO, in Lage vorangetrieben werden. Das Café soll auf Probe für fünf Jahre bestehen. Für diese Maßnahme stehen 40.000 € für den jährlichen Betrieb zur Verfügung. Zuvor war die Verwaltung beauftragt worden, den Bedarf für die Errichtung eines Jugendcafés in der Innenstadt zu ermitteln und eine entsprechende Konzeption zu erarbeiten.
Im Februar 2019 wurden Umfragen in den Klassen 7 bis 10 in allen Lagenser Schulen durchgeführt, 1202 Schüler antworteten - mit dem Resultat, dass sich 66,64% der Schüler ein Jugendcafé wünschen. Mehrere Objekte wurden besichtigt und für ungeeignet befunden. Im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) und der Neustrukturierung des gesamten Geländes am Jahnplatz rückte das Gebäude Jahnplatz 20, betrieben vom AWO Ortsverein Lage, in den Fokus als Standort für ein mögliches Jugendcafé. Das Gebäude wird derzeit durch die AWO als Begegnungsstätte genutzt. Nach ers­ten Gesprächen signalisierte die AWO OWL, dass eine gemeinsame Nutzung des Hauses gut vorstellbar sei und bekundete auch gleich Interesse an der Übernahme der Trägerschaft. Thomas Krüger, Fachteam Gebäudemanagement, erklärte den Ausschuss­mitgliedern die Baupläne.
Der Standort für das geplante Jugendcafé könnte durch die direkte Nähe zum „Bürgerpark Eichenallee“ mit einem Kleinspielfeld, einer Boule-Anlage, einer multifunktionalen Aktivfläche, einer Begegnungs- und Aufenthaltsfläche, Mehrgenerationen-Fitnessgeräten und einer Basketballanlage als Jugendcafé geeignet sein. Hausherr Günther Neuwohner zeigte die Räumlichkeiten, die derzeit nur von der AWO genutzt werden. Im oberen Stock hat der Verein SuS Lage ein provisorisches Heim. Die Heimatstube der Schlesier und Ostpreußen habe sich aufgelöst, erklärte der AWO-Vorsitzende.
„Es wird sich zeigen, ob das Haus der richtige Standort ist; ein behindertengerechter Zugang und ein WC könnten eingerichtet werden“, so Dirk Pahmeier. Das Miteinander von „Jung und Alt“ sei zeitgemäß und biete Chancen, sagte der Jugendamtsleiter. Wände und Styropor seien schon von der AWO entfernt worden, ansons­ten könne man sich mit viel Fantasie eine schöne Inneneinrichtung des knapp 50 m² großen Raumes vorstellen. Auch eine kleine Küche und eine Theke könnten eingebaut werden. In Zeiten von Corona müssten auch Belüftungskonzepte mitgedacht werden, regte ein Ausschussmitglied an. Nach der Begehung wurde die Sitzung in der Mensa des Schulzentrums „Am Werreanger“ fortgeführt. Dort berichtete Herr Pahmeier, dass noch weitere Gebäude im Gespräch sind, aber andere Optionen noch nicht berichtsfähig seien.
Im Anschluss kam die Jugend zu Wort, Julia Eichner, Joshua Janzen und Robin Beckmann in der Technik. Die Vertreter des Jugendmitwirkungsforums JMF wünschen sich mehr Transparenz in diesem Verfahren. Um sich sachkundig zu machen, haben sie sich das Jugendcafé KIWI in Bad Salz­uflen angeschaut, das kein pädagogischer Treffpunkt ist, sondern zum Chillen und Reden für junge Menschen von 12 bis 21 Jahren konzipiert wurde. Für den Standort Jahnplatz spreche, dass keine direkte Wohnbebauung, ein Parkplatz, eine Terrasse vorhanden sind und dass sich das Gebäude in städtischer Hand befände. Dagegen spreche die große Distanz zur Schule, ein Konfliktpotenzial mit den Senioren und der kleine Raum. Zu den Wünschen der Jugendlichen zählen in absteigender Priorität: Fußballspielen, Sauberkeit, Busanbindung, WLAN, Kicker und Billard. Bei der Gestaltung des Jugendcafés könne ein Wettbewerb, studentische Facharbeiten und Ideen zu Upcycling herangezogen werden. Die Jugendlichen können sich vorstellen auch unterschiedliche Gruppen nach Vorbild des Jugendcafés Space in Detmold in der Stadt Lage zu etablieren, die sich beispielsweise mit Büchern oder Musik beschäftigen.

Und sonst? Fotoausstellung, Spielplätze und Berichte…
Hasmatullah Niyazi, ehrenamtlicher Helfer beim Fahrradreparaturservice im HOT, eröffnete seine Fotoausstellung. Einige Fotos wurden dem Ausschuss präsentiert. Die bemerkenswerten Bilder hängen im Jugendzentrum im HOT und sind käuflich. „Der beste Glaube ist die Menschlichkeit“, betonte der Geflüchtete, dessen Hobby, die Fotografie, ihm bei Stress helfe. „Zwischen Kindern ist kein Hass, wer mit Kindern arbeitet, weiß das“, sagte der junge Mann, der in der Stadt Lage eine neue Heimat gefunden hat.
Margarete Wißmann (Fachbereich Umwelt) stellte die Maßnahmen der Stadtverwaltung im Bereich Kinderspielplätze vor. Durch die Siedlungsentwicklung bzw. abgespielte, uninteressante oder nicht altersgemäße Spielgeräte waren viele Maßnahmen nötig geworden. Für den Ortsteil Müssen konnten zwei Kleinkindspielanlagen aus dem Regionalbudget finanziert werden. Neu auch als Konzept ist eine Tampenschaukel (Schaukel für mehre Kinder) im Hebbelweg, die bereits gut angenommen wurde. Der Werkstoff Holz sei nicht immer angebracht, Stahl und Kunststoff seien mittlerweile langlebiger. Die alte Kriechröhre in Billinghausen an der Sängerstraße sei nicht mehr erlaubt gewesen, sie wurde durch das Gerät „Bubbles“ aus Recyclingmaterial ersetzt. Die Dorfgemeinschaft Hörste habe am Tretbecken ein Gerät für Motorikförderung erhalten, das auch sehr gut angenommen werde. Die Spiel- und Sportanlagen am HOT und auf dem Werreanger vom letzten Jahr haben sich bewährt. Der Einbau und der Fallschutz für eine große Calisthenicsanlage am Gymnasium wurden mit 5.000 € von der Sparkasse und dem Förderverein finanziell unterstützt. Einige Bedarfe und Wünsche müssen bis zum nächsten Jahr warten; die Kindergärten hatten auch einen großen Bedarf an Sonnensegeln angemeldet. Im Bereich Innenstadt würden noch Spielgelegenheiten fehlen, auch wenn der Spielplatz Am Drawen Hof gut angenommen wird. Auch die Bereiche Alte Burg (Lange Straße/Friedrich-Petri-Str.) und die Grünfläche an der Wehmgärten-/Stauffenbergstraße sollen noch mit mehr Aufenthaltsqualität versehen werden. „Es gibt viel zu tun, packen wir’s an!“, beendete Wißmann ihren engagierten Vortrag.
Zeydin Cakmak, Mitarbeiter im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) des Jugendamts, trug die Zahlen der unbegleiteten minderjährigen Ausländer in Lage vor. Gesetzlich ist mittlerweile jede Stadt verpflichtet, Minderjährige aufzunehmen. Insgesamt wurden von 2015 bis 2020 32 Kinder und Jugendliche aufgenommen, der Großteil aus Afghanistan (13) und Flüchtende aus dem Iran, Irak, Libyen, Pakistan, Tadschikistan, Syrien, Bulgarien, Guinea und Nigeria, die innerhalb ihrer eigenen Familie, in Pflegefamilien, Wohngruppen oder einer eigenen Wohnung (mit ambulanter Betreuung) untergebracht waren. 26 der Geflüchteten lebten zeitgleich in der Stadt. Drei Anfragen des Landes wurden abgelehnt, da die Wohngruppen sich mittlerweile aufgelöst haben. Aktuell wohnen nur noch zwei unbegleitete Minderjährige in der Stadt Lage, einer bei seiner Tante, der andere ist derzeit mit unbekanntem Ziel unterwegs.
Maria Kiehl-Hamann, Leiterin des ASD, stellte ihre neue Mitarbeiterin Chiara Hermeier vor, die sich bereits bewährt habe. Die Zahl der Anzeigen zur Kindeswohlgefährdung habe sich von 42 auf 146 vervierfacht. Kiehl-Hamann führt den Anstieg auf die Mis­s­brauchsfälle in der Stadt Lügde zurück.

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