Einsicht noch bis 23. April möglich

Einsicht noch bis 23. April möglich Sanierung und Modernisierung der Wurfscheibenanlage „Lage-Lückhausen“

Lage-Hardissen.
Viele erinnern sich noch gern an den Sportschützen Konrad Wirnhier (1937 - 2002), der bei den Olympischen Spielen 1972 in München Olympiasieger wurde in der Disziplin Skeet-Schießen, einer Form des Wurfscheibenschießens. Mit seinen leicht welligen, im Stil der Zeit immer nach hinten gekämmten Haaren, seinen geschmeidigen Bewegungen auf dem Schießplatz und die Flinte scheinbar lässig im Anschlag erinnerte er stets ein wenig an den Schauspieler Lorne Greene (1915 - 1987), der als Ben „Pa“ Cartwright aus der kurz zuvor gesendeten Fernsehserie Bonanza zu jener Zeit ebenfalls den Gipfel seiner Popularität in Deutschland erklommen hatte.
Die Beliebtheit Konrad Wirnhiers hat sich - zumindest in Lage - nicht in gleicher Weise übertragen auf seine Sportart, das Wurfscheibenschießen bzw. „Tontaubenschießen“, wie man früher sagte. Die Stadt Lage hatte unlängst vorsorglich ihr Einvernehmen verweigert zur Planung des Wurftaubenclubs Lippe, die vereinseigene Wurfscheibenanlage „Lage-Lückhausen“ in Hardissen sanieren und modernisieren zu wollen. Auch die aus den Fraktionen von CDU, Grünen und FDP bestehende Jamaika-Koalition im Stadtrat sprach sich dagegen aus, das „gemeindliche Einvernehmen“ zu erteilen (der Postillon berichtete am 13. Februar 2021).
Entscheidungsbehörde für die Änderungsgenehmigung zur Sanierung und Modernisierung der 1975 (drei Jahre nach dem Wirnhier-Gold) in Betrieb genommenen Wurfscheibenanlage am Lönsweg in Hardissen ist allerdings nicht die Stadt Lage, sondern der Kreis Lippe. Deshalb stellten Rüdiger Kuhlemann, Leiter der Unteren Wasserbehörde beim Kreis Lippe, und Olrik Meyer, Fachgebietsleiter Immissionsschutz, Klimaschutz, Energie und Mobilität beim Kreis Lippe, auf der März-Sitzung des Stadtrates die geplante Sanierung vor und informierten über das laufende Genehmigungsverfahren.
Nach den Worten von Rüdiger Kuhlemann und Olrik Meyer liegen die Einwendungen der Beteiligten und Betroffenen zusammen mit den fachlichen Stellungnahmen zur Erörterung online aus bis zum 23. April 2021 bzw. können beim Kreis Lippe oder im Rathaus der Stadt Lage eingesehen werden nach vorheriger Terminabsprache. Nach Bearbeitung der Einwendungen könnte in der Ratssitzung am 10. Juni 2021 hierüber erneut beraten werden.

Freiwillige Prüfung
Das Genehmigungsverfahren als solches erfordere nicht zwingend die öffentliche Beteiligung, berichteten die beiden Fachgebietsleiter. Der Wurf­taubenclub Lippe habe sich aber entschieden, freiwillig eine Umweltverträglichkeitsprüfung für die zu sanierende Anlage durchführen zu lassen, um größtmögliche Transparenz im Verfahren zu erreichen. Das Genehmigungsverfahren umfasse nur die geplante Anlage selbst. Mögliche Auswirkungen z.B. auf die vorhandene Infrastruktur (z.B. Straßen) durch entstehenden Baustellenverkehr seien nicht Teil des Prüfverfahrens. Die Zufahrtsstraße sei schwerlastgeeignet.

Der Bestand
Die jetzige Schießstätte bestehe aus zwei Schrotschießständen. Auf einem Schießstand werde nur Skeet geschossen, auf dem anderen könnten Trap und Skeet geschossen werden. Die hochbaulichen Anlagen für den Schießbetrieb seien die Hoch- und Niederhäuser der Schießstände, ein Wurfbunker für das Trap-Schießen und eine Schrotschuss-Sicherheitswand zwischen den Schießständen. Als einziges Funktions- und Nebengebäude sei das jetzige Vereinsheim vorhanden. Weitere bauliche Einrichtungen sind nicht vorhanden.
Die Sanierung sehe vor, die vorhandenen Schießstandeinrichtungen zurückzubauen, sie im Kontext der neu konzipierten Gesamtanlage neu zu errichten und um eine dritte Anlage zu ergänzen.

Das Vorhaben
Zu den neu zu errichtenden hochbaulichen Anlagen der Schießstände gehören die Hoch- und Niederhäuser der Skeetstände, die Trap-Bunker, die Sicherheitszwischenwände, Wartehäuser, Überdachungen auf den Schützenständen und diverse Wege- und Verkehrsflächen. Ebenfalls werde für die Aufbewahrung, Trennung und Entsorgung anfallender Abfälle eine neue Remise südlich des bestehenden Vereinsheims errichtet. Auf der in den Bodenuntersuchungen festgestellten schadstoffbe­las­teten Depositionsfläche werde die neue Wallanlage (geplante Höhe: 23,50 Meter) zum Rückhalt der Schrote errichtet. Der Schrotfangwall werde in Ausdehnung und Form so ausgestaltet, dass ein zukünftiger Eintrag von Schroten außerhalb der definierten Niederschlagsbereiche nicht mehr stattfinde. Gleichzeitig diene der Schrotfangwall als Schallschutz für die Anrainer, so dass die Schallemissionen zukünftig reduziert würden.
Nur bei einer Höhe von 23,50 Metern sei bei regelkonformem Betrieb der Anlage der nahezu vollständige Schrotrückhalt gewährleistet. Der Wall erhalte auf der Innenseite eine durch eine Folie versiegelte Oberfläche, welche leicht von Schrotrückständen zu reinigen ist. Durch das Wallgefälle würden sich die Schrote am Wallfuß sammeln und seien dann relativ leicht aufzunehmen. Am Fuß der Wallanlage werde ein 15 Meter breiter Asphaltstreifen errichtet, um die anfallenden Wurfscheiben und Schrote aufnehmen und gemäß Abfallgesetz trennen zu können. Nur bei einer Aufnahme ohne organisches Fremdmaterial sei eine Rückführung der Abfälle in den Wirtschaftskreislauf möglich.

Boden vor Ort belassen
Kuhlemann und Meyer erläuterten, dass die Sanierungsplanung aufgrund des Belas­tungsgrades der vorhandenen Böden nicht nach Deponie-Recht zu prüfen sei, sondern nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Dies sei durch die Bezirksregierung Detmold nach einer Fachaufsichtsbeschwerde noch einmal geprüft und bestätigt worden. Die Sanierung sehe den sach- und fachgerechten Einbau des belasteten Bodens auf dem Gelände in einer Sicherungskassette vor, die in die geplante Wallanlage eingefügt werde. Beim Bau der Kassette kämen zur Abdichtung Bentonitmatten zum Einsatz.
Dieses Vorgehen sei zulässig, sofern das belastete Material komplett eingeschlossen gelagert werde. So sei für die Zukunft gewährleistet, dass keine weiteren Gefahren für Boden und Grundwasser entstehen. Ähnlich sei man so auch bei einer Anlage in Lemgo-Lüerdissen vorgegangen.
Jürgen Rosenow (Bündnis 90 / Die Grünen) äußerte Bedenken zur eventuellen Steigerung der Schießfrequenzen, zur Verdichtung des Bodens durch die Wallanlage und zur Dichtigkeit der Sicherungskassette bzw. zu möglichen Gewährleis­tungspflichten. Olrik Meyer führte hierzu aus, dass die genannten Bedenken als Einwendungen im Beratungs- und Entscheidungsprozess geprüft würden.
Die derzeitige Genehmigung sieht keine Beschränkung der Schusszahlen vor. Bei einer Überprüfung der Anlage 2002 wurde bei einer Messung mit 4.500 Schuss keine Überschreitung des zulässigen Immissionsrichtwerts von 55 db (A) für ein allgemeines Wohngebiet festgestellt. Die zukünftige Genehmigung soll maximal 3.800 Schuss pro Tag gestatten.

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