Pro Bahn sieht Zwischenziel erreicht

Pro Bahn sieht Zwischenziel erreicht „Lipperländer“ soll elektrisch werden - 2. Gleis (Kreuzungsgleis) in Ehlenbruch

Lage. Vor wenigen Tagen sei während einer Schienenverkehrskonferenz in Bielefeld vom Geschäftsführer des Nahverkehrs Ostwestfalen-Lippe (NWL), Joachim Künzel, die Elektrifizierung der Strecke Bielefeld - Lemgo (Regionalbahn 73 „Lipperländer“) mit einem 2. Gleis (Kreuzungsgleis) in Ehlenbruch bestätigt worden. Damit gehe das Projekt in den Nahverkehrsplan für Nordrhein Westfalen ein, fährt in seiner Pressemitteilung Willi Wächter fort, Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Regionalverband Ostwestfalen-Lippe. „Jetzt gilt es, über politische Wege sicherzustellen, dass wir in der Rangfolge der zahlreichen Maßnahmen in NRW nicht weit hinten landen“, erklärt Willi Wächter (Leopoldshöhe) weiter.
Bereits im Januar hatte Joachim Künzel in Aussicht gestellt, dass der Eisenbahnbetrieb mit Dieselzügen in Ostwestfalen-Lippe ab Mitte der 20er Jahre eingestellt bzw. auf Elektrozüge umgestellt werden könne. Das sogenannte „OWL-Dieselnetz“ umfasst wichtige Schienennahverkehrsstrecken wie z.B. den Lipperländer zwischen Bielefeld und Lemgo-Lüttfeld, die Sennebahn zwischen Bielefeld und Paderborn und den Haller Willem zwischen Bielefeld und Osnabrück.
Ende 2025 laufe die derzeitige Ausschreibung des Netzes aus, wie Künzel im Januar berichtete. Deshalb gebe es momentan konkrete Überlegungen, wie es in den dann folgenden 15 Jahren (2026 bis 2040) weitergehen solle.
Pro Bahn-Vorsitzender Willi Wächter ist überzeugt, dass die Zeit dränge. Es sollte hinreichend schnell geklärt sein, ab wann ein elektrischer Betrieb stattfinden könne. Schienenfahrzeuge mit Elektroantrieb seien umweltverträglicher als Dieselloks und in der Anfahrt erheblich schneller. Zusammen mit dem zweiten Gleis in Ehlenbruch ergebe das auf der Strecke zwischen Bielefeld und Lemgo eine höhere Fahrplanstabilität.

Akku oder Oberleitung
NWL-Geschäftsführer Joachim Künzel hatte im Januar verdeutlicht, dass der NWL nicht nur auf den Bau von Oberleitungen setze, um bestimmte Strecken zu elektrifizieren. Auf der Strecke des Haller Willems, der Sennebahn und der Ravensberger Bahn zwischen Bielefeld und Rahden könnten auch Akku-Triebwagen zum Einsatz kommen, wenn sich solche Pläne verwirklichen ließen. Der NWL werde noch im Jahr 2020 eine Ausschreibung für Batteriefahrzeuge veranlassen.
Denkbar sei, dass Elektro-Züge auf Abschnitten mit Oberleitungen ihre Akkus aufladen und auf den anderen Abschnitten den Strom der Akkus nutzen. Die Regionalbahn 73 „Lipperländer“ zwischen Bielefeld und Lemgo-Lüttfeld fährt mit Dieselantrieb unter elektrischem Fahrdraht auf dem Teilstück Bielefeld-Hauptbahnhof - Bielefeld-Ost.
Auf dem weitaus längeren Teilstück Bielefeld-Ost - Lage - Lemgo-Lüttfeld ist keine Oberleitung vorhanden.
Das vom NWL-Geschäftsführer angekündigte 2. Gleis (Kreuzungsgleis) in Ehlenbruch wertet Willi Wächter als Wiedergutmachung eines Fehlers: „Das zusätzlich Gleis ist kein Novum. Vor der Sanierung der Strecke in den 1990er Jahren hatten alle Stationen ein weiteres Gleis. Ohne Rück­sicht auf notwendige Ausweichstellen hat die Bahn damals rigoros die Gleise zugeschüttet“, kritisiert Wächter.
Für ein leistungsfähiges Schienennetz in Ostwestfalen-Lippe sei die Maßnahme „Kreuzungsgleis“ nur ein kleiner Mosaikstein. Pro Bahn halte auf der gesamten Strecke zwischen Bielefeld und Lemgo-Lüttfeld einen überwiegend zweigleisigen Ausbau für notwendig. In den Forderungen des Verbandes zum Schienenwegeausbau in OWL sei zum Beispiel auch eine durchgehend zweigleisige Strecke von Herford über Lage und Detmold nach Altenbeken vorgesehen.

Elektromobilität früher
Elektromobilität gab es in Lippe bereits Mitte der 1950er Jahre. Es verkehrten auf der Strecke Bielefeld-Lage-Hameln Akkutriebwagen (Wittfeld-Akkumulatortriebwagen), und zwar, so Willi Wächter, aus den Baureihen ETA 175 bzw. ETA 177. Zur damaligen Zeit war das Schienennetz bis Hameln noch durchgehend befahrbar. Da die Technik jedoch noch nicht ausgereift war, so Wächter, und die Züge mit Bleiakkumulatoren betrieben wurden, habe es besonders im Winter Probleme mit Stillstand auf offener Strecke gegeben.
Der letzte Wittfeld-Akkumulatortriebwagen im Bereich der Deutschen Bundesbahn fuhr 1962 und wurde 1964 ausgemustert. Nach Postillon-Recherchen ist in Deutschland kein Fahrzeug der Bauart Wittfeld erhalten geblieben.

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