Rennen um Bürgermeisteramt eröffnet

Rennen um Bürgermeisteramt eröffnet Bürgermeister-Direktwahl in Lage am 26. Mai verspricht hohe Spannung

Lage. Die Parteien und Wählergruppen bereiten sich mittlerweile auf die Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 in Lage vor, nachdem Bürgermeister Christian Liebrecht in der Ratssitzung am 22. November 2018 mitgeteilt hatte, dass er sein Amt des Bürgermeis­ters der Stadt Lage zum 18. Mai 2019 zur Verfügung stellen werde.
Bei der CDU ist bis Redaktionsschluss dieses Artikels Dr. Stefan Everding (54 Jahre, Detmold, Vorstandsmitglied der Lippischen Landes-Brandversicherungsanstalt) einziger Kandidaten-Anwärter für die Liebrecht-Nachfolge.
Vermutlich Ende Januar bzw. Anfang Februar wird eine CDU-Nominierungsversammlung darüber entscheiden, wer offizieller CDU-Kandidat wird.
Dr. Stefan Everding hat sich in der ersten Dezemberhälfte sowohl dem CDU-Fraktionsvorstand wie auch auf einer von Fraktion und Stadtverband anberaumten Sitzung vorgestellt. Everding ist seit 2015 Mitglied im seit Mitte 2016 zweiköpfigen Vorstand der Lippischen Landes-Brandversicherungsanstalt. Vorher war er bei anderen Unternehmen der Versicherungswirtschaft tätig, u.a. bei der Provinzial Rheinland, die seit 2009 Konzernmutter der „Lippischen“ ist.
Bei der SPD haben bisher drei Bewerber ihr Interesse an einer Kandidatur bekundet und sich am 18. Dezember 2018 im Vorstand des SPD-Stadtverbandes Lage vorgestellt. Wie Andreas Fritz, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Lage, in einer Pressenotiz mitteilt, handele es sich um folgende Personen:
Lars Bork, wohnhaft in Lage, 43 Jahre alt, ledig, von Beruf Verwaltungsangestellter bei der Stadt Detmold;
Matthias Kalkreuter, wohnhaft in Lage-Heiden, 32 Jahre alt, verheiratet, 1 Kind, von Beruf Dipl.-Verwaltungswirt bei der Stadt Bielefeld und
Bernd Roetzel, wohnhaft in Lage-Hagen, 58 Jahre alt, verheiratet, 2 erwachsene Kinder, von Beruf Vermessungsassessor bei der Bezirksregierung Detmold. Bernd Roetzel war bereits Bürgermeis­terkandidat bei der Bürgermeis­terwahl 2015 in Lage.
Alle Kandidaten sind Mitglieder der SPD-Ratsfraktion Lage und bereits kommunalpolitisch aktiv. Sie werden sich den SPD-Mitgliedern in einer Informationsveranstaltung am Freitag, 25. Januar 2019, im Landgasthaus Ellernkrug vorstellen. Darin werden die Kandidaten erstmals ihre politischen Zielvorstellungen für das Bürgermeisteramt darlegen.
Andreas Fritz: „Es dürfte deshalb nachvollziehbar sein, dass sich zunächst unsere Mitglieder ein Bild von den Kandidaten und ihren Zielen machen wollen. Wir bitten daher um Verständnis, dass vorher sowohl vom Vorstand wie auch von den Kandidaten noch keine inhaltlichen Äußerungen in der Öffentlichkeit getätigt werden.“ Die Wahl- bzw. Aufstellungskonferenz der Sozialdemokraten findet voraussichtlich am 8. Februar 2019 im Hörster Krug statt.

Direktwahl statt Doppelspitze
Die am 17. Mai 1994 neu gefasste Gemeindeordnung (GO) des Landes Nordrhein-Westfalen brachte damals eine einschneidende Änderung, denn mit der neuen GO wurde die seit 1946 von der britischen Besatzungsmacht festgelegte Norddeutsche Ratsverfassung (nach britischem Vorbild) in die Süddeutsche Ratsverfassung geändert. Damit ist gemeint, dass es keine (Ober-) Stadt- oder Gemeindedirektoren mehr gibt und die Verwaltung von einem gewählten hauptamtlichen (Ober-) Bürgermeister geleitet wird, der zugleich Vorsitzender des Rates ist.
Bis 1994 bestand eine Aufteilung einerseits in den Chef der Verwaltung und Vertreter der Kommune in allen Rechts- und Verwaltungsangelegenheiten (Stadt- bzw. Gemeindedirektor) und andererseits in den ehrenamtlich tätigen Bürgermeister als Vorsitzenden des Rates. Diese Aufteilung wurde auch als „kommunale Doppelspitze“ bezeichnet.

Kompetenz statt Wohnort
Die vom britischen Vorbild inspirierte Doppelspitze sollte verdeutlichen, dass für den Posten des Stadt- bzw. Gemeindedirektors (heute: Bürgermeister) neben den formalen Voraussetzungen (Fachqualifikation) dessen Führungsqualitäten und Sozialkompetenzen ausschlaggebend sein sollten.
Für den (damaligen) Bürgermeis­ter (heute: stv. Bürgermeister im Nebenamt) hingegen sollten seine politische Beheimatung und seine örtliche Heimat ausschlaggebend sein. Niemand konnte früher Bürgermeister werden, wenn er nicht in der jeweiligen Kommune wohnte. Die Bedingung der Residenzpflicht galt laut GO NRW aber nie für den Chef der Verwaltung bzw. für den Stadtdirektor. Für die Verwaltungsführung war die (Führungs-) Kompetenz ausschlaggebend, nicht der Wohnort.
Nach Abschaffung der Doppelspitze im Jahr 1994 wurden die Bürgermeister zunächst vom Rat gewählt - wie vorher bereits die Stadt- und Gemeindedirektoren. Seit der Kommunalwahl 1999 erfolgt die Direktwahl der hauptamtlichen Bürgermeister in Städten und Gemeinden durch die Bürger für eine Amtszeit von sechs Jahren.
Durch das sogenannte „Gesetz zur Stärkung der kommunalen Demokratie“ vom 9. April 2013 wurde die Amtszeit von sechs auf fünf Jahre verkürzt.

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