Revival-Festival & Ziegelproduktion

Revival-Festival & Ziegelproduktion Tag des offenen Denkmals 2019 bescherte zahlreichen Museumsbesuchern einen tollen Nachmittag

Lage. Wie bekam der Lehm die richtige Konsistenz, als man noch keinen Kollergang (maschinell angetriebenes Mahlwerk) besaß? Wie erhielten die Ziegel ihre Form, als die Strangpresse noch in ferner Zukunft lag? Und wie brannte man Rohlinge, bevor es Ringöfen gab? Diese und andere Fragen wurden am praktischen Beispiel anschaulich beantwortet, als im Ziegeleimuseum am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September 2019, einen Tag lang in historischer Manier Ziegel hergestellt wurden.
Bereits einige Tage zuvor hatte man Ofensetzer Christian Stiesch zusehen können, wie er einen Feldbrandofen aufbaute. Feldbrandöfen bestehen ausschließlich aus den Ziegelrohlingen, die gebrannt werden sollen und lagenweise nach einem bestimmten Verfahren aufgeschichtet werden. Um den Ofen abzudichten und die Wärme im Inneren halten zu können, werden die Außenwände des Ofens mit einer dünnen Schicht Lehm bestrichen. Durch die ungleichmäßige Temperaturverteilung im Ofen sind die auf diese Weise gebrannten Ziegelsteine von recht unterschiedlicher Qualität: Im Inneren des Ofens liegende Steine werden heißer gebrannt und weisen deshalb eine bessere Qualität auf als jene, die außen liegen.
Am Sonntag konnten bei bestem Wetter die Besucher neben dem Ziegelbrand im Feldbrandofen zusehen, wie Ziegel im Handstrichverfahren geformt wurden und wie ein Pferd im Pferdegöpel den Lehm geschmeidig machte. Mussten früher die Ziegler noch selbst den Lehm mit den Füßen vermischen, stellte der Einsatz von Mischbühnen („Göpel“) eine große Arbeitserleichterung dar: Das Pferd zog eine mit Steinen beschwerte Karre immer im Kreis durch den tiefen Lehm, sodass das Material für die Ziegel aufbereitet werden konnte.
Die Göpel-Vorführung fand jedoch ein jähes Ende, als ein Rad der Karre wegknickte. Museumsmitarbeiterin Jutta Stechemesser als „Kutscherin“ blieb nichts anderes übrig, als den Fliegenschimmel Siggi auszuspannen und ihn für den notwendigen Auslauf am Zügel über das Gelände zu führen. Dabei blieb auch noch etwas Zeit, den Museumsbesuchern den Göpel zu erläutern, wenn auch nicht zu veranschaulichen.

Die wahre Attraktion
Die wahre Attraktion des Denkmaltages war allerdings ein Revival-Festival regionaler Bands am späten Nachmittag. Zwischen 15 und 20 Uhr traten drei Musikgruppen auf, die mit ihrer Musik, vornehmlich aus den 60er, 70er und 80er Jahren, den Geschmack der Museumsbesucher zu 100 Prozent trafen, weil die Besucher, als sie noch Jugendliche waren, diese Musik liebten. Und abgesehen von Nostalgie sowie „Let the good times roll …“ zelebrierten „Basement Music Company“, „Moony Monday“ und „Brothers in Blue“ ihre Musik mit bemerkenswertem Können und großer Spielfreude.
„Basement Music Company“ überzeugte mit klassischer Rock­musik der 1960er bis 1980er Jahre. Das Repertoire umfasste gern gehörte Titel von den Stones und den Beatles über Clapton bis zu den Eagles und Manfred Mann. Alles passte!
Eine entspannte und entspannende Mischung von Swing, Jazz und Blues brachte die fünfköpfige Formation „Moony Monday“ auf die Bühne. Mit einer Mischung aus Coverversionen bekannter Songs, aber auch Eigenkompositionen mit deutschen Texten ihres Bassisten Axel Plöger unterhielten die „Moonys“ ihr Publikum. Eine enorme Bandbreite wurde abgedeckt: von US-Jazzstandards vergangener Jahrzehnte über Leonard Cohen bis Neil Young.
Den fulminanten Abschluss des Revival-Festivals zelebrierten die „Brothers in Blue“ mit großem Schalldruck und erdigem Sound. Die Gitarrenhelden Hans Sohns und Gerd Sossnierz ließen zusammen mit Roland Schaffranietz (Bass) und Hansey Kuhnke (Schlagzeug) z.B. bei ihren „Cream“-Nummern nichts anbrennen … Die Organisatoren im Ziegeleimuseum können den diesjährigen Tag des offenen Denkmals als vollen Erfolg auf der Haben-Seite verbuchen: Die drei Bands quasi „umsonst & draußen“ waren wirklich ganz großes Kino!

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