Stadtbildprägende Architektur für die Pflege

Stadtbildprägende Architektur für die Pflege Letzte Septemberwoche 2018: Senioren haben den Karolinenheim-Neubau bezogen

Lage. „Was lange währt, wird endlich gut“, lautet eine vertraute Volksweisheit, die sich Ende vergangener Woche bewahrheitete: Erstmals im Jahr 2011 plante der Reichsbund Freier Schwes­tern als Träger des Seniorenheims Karolinenstraße, seine Senioreneinrichtung in Lage umfassend zu modernisieren. Als sich herauskristallisierte, dass eine Modernisierung der Bestandsimmobilie nicht möglich sein werde, kam der Gedanke auf, das Heim neu zu bauen. Aber wieder verging eine lange Zeit … und zwar bis vergangene Woche: In den letzten Septembertagen 2018 zogen die ersten Senioren in den Neubau ein. Sieben Jahre nach den ersten Modernisierungsgedanken.
Zwischenzeitlich sind alle derzeit 68 Bewohner vom alten Karolinenheim in ihre neuen Einzelzimmer umgezogen, nachdem die Heimaufsicht des Kreises Lippe den Neubau inspiziert und die Feuerwehr die Brandmeldeanlage überprüft hat. Beim Umzug war jede helfende Hand willkommen, was Heimleiter Harm-Hendrik Möller veranlasste, den Mitarbeitern, den ehrenamtlichen Helfern und den Angehörigen der Heimbewohner für deren Engagement beim Umzug zu danken. Der Heimleiter dankte namentlich Fabian Stratmann, Patrick Lukas und Hermann Kleeve (alle List Bau Bielefeld) sowie Oliver Tusch (von List Ingenieure), die während der Bauphase immer ein offenes Ohr für die Belange des Heimträgers und damit letztlich für die Heimbewohner gehabt hätten.

80 Heimplätze
Nach seiner Fertigstellung wird der Neubau 80 Heimplätze (alles Einzelzimmer) bieten. Zur Zeit sind 71 Plätze bezugsfertig. Die weiteren 9 Plätze werden in einem ergänzenden Bauabschnitt entstehen. Dessen Fertigstellung ist für die erste Jahreshälfte 2019 geplant. Vorher muss allerdings das alte Karolinenheim (69 Plätze), das ehemalige und 1982 geschlossene Lagenser Krankenhaus, abgerissen werden. Wer sich den Altbau noch einmal anschauen möchte, sollte sich beeilen: Der Abriss beginnt in der kommenden Woche.
Wegen des Neubaus hatte der Reichsbund Freier Schwestern Anfang 2013 den benötigten Baugrund von der Stadt erworben. Zu Jahresbeginn 2013 waren die damaligen drei Grundstücke (bebaut mit der Arztpraxis, der Senioren-WG und dem Karolinenheim) plus Garten zu einem Grundstück zusammengelegt worden.
Das neue Seniorenheim besteht aus zwei miteinander verbundenen Gebäuden entlang der Karolinenstraße und entlang der Langen Straße. An der Ecke Karolinenstraße / Lange Straße treffen beide Gebäude aufeinander. Beide Gebäudeteile sind durch eine gläserne Rotunde miteinander verbunden. Hier befindet sich auch der Haupteingang.
Der Neubau besteht aus dem Erdgeschoss sowie dem ersten und dem zweiten Stockwerk. Jede Etage besitzt u.a. einen eigenen Speise- bzw. Versammlungsraum, und zwar in der Rotunde. Alle Zimmer verfügen über rollstuhlgerechte Bäder. Einige Zimmer sind so angelegt, dass sie auf Wunsch mit dem Nachbarzimmer verbunden werden können. Somit erhalten (Ehe-) Paare quasi eine Zweizimmer-Wohnung. Auf jeder Etage gibt es ein „Komfortbad“ bzw. „Wohlfühlbad“, ausgerüstet mit Hubbadewanne, Notrufanlage usw. Der Reichsbund beabsichtigt mit dem Neubau, die Qualitätsstandards zu übertreffen, die das Landespflegegesetz vorgibt. Die Erfordernisse des Pflege- und Betreuungsdienstes sollen mit den Wohnbedürfnissen älterer Menschen verbunden werden.

100 Prozent Einzelzimmer
Das novellierte Landespflegegesetz schreibt als Qualitätsvorgabe eine Einzelzimmerquote von 100 Prozent für neue Pflegeheime und Wohnheime für Menschen mit Behinderung vor. Vor dem Hintergrund dieser Einzelzimmerquote (in bestehenden Heimen: 80 Prozent) und weiterer baulicher Vorschriften wurden eine Modernisierung bzw. ein Neubau des Karolinenheims unumgänglich. Anderenfalls würden die Heimbewohner kein Pflegewohngeld mehr erhalten und könnten sich ein Wohnen im Heim in der Regel nicht mehr leisten.

18 Monate Bauzeit
Vor eineinhalb Jahren, am 6. April 2017, erfolgte der erste Spatenstich für den Neubau des Seniorenheims. Am 21. Februar 2018 meldeten die am Rohbau beteiligten Unternehmen Vollzug und feierten zusammen mit Gästen das Richtfest des 10-Mio.-Euro-Projekts.
Damals wurde bekräftigt, dass der von den beiden Architekten Ralf Daniel und Wahid Wahab (beide von Bau-Prisma Plan. & Ing. GmbH) entworfene Neubau zum 30. September 2018 bezugsfertig sein werde. Dieses Versprechen wurde eingelöst.

Zurück