Sterbende erzählen, was sie geliebt haben

Sterbende erzählen, was sie geliebt haben Berührende Porträts: Bilder der Ausstellung „Right, before I die“ erinnern und ermutigen

Lage. „Right, before I die“ lautet der Titel der Ausstellung des amerikanischen Fotografen Andrew George. Nach ihrer Eröffnung in der Marktkirche in Lage am Sonntag, 26. Oktober 2019, ist die Ausstellung dort noch bis Sonntag, 24. November (Ewigkeitssonntag) zu sehen. Es ist das erste Mal, dass das Bilderprojekt des kalifornischen Fotografen in Deutschland gezeigt wird. Ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt diese Ausstellung (siehe weiteren Artikel in dieser Postillon-Ausgabe).
Der Titel „Right, before I die“ könne in zweierlei Hinsicht übersetzt werden, verdeutlichte Pfarrer Ernst-August Pohl, als er zusammen mit den Pfarrern Christina Hilkemeier, Rainer Stecker und dem Kirchenvorstandsmitglied Klaus Kubach (alle ev.-ref. Gemeinde Lage) sowie Pfarrer Richard Kraus (ev.-luth. Gemeinde Lage) das Konzept und den Ablauf des vierwöchigen Programms erläuterte.
Die naheliegende Übersetzung, die den Zeitpunkt betone, laute „Kurz bevor ich sterbe“. Aber auch eine Übertragung, die in einer Art von Bilanz auf das Leben schaue, sei möglich: „Richtig, bevor ich sterbe“. Auf jeden Fall gehe es um Sterbende, die kurz vor ihrem Tod Andrew George erzählen, was sie in ihrem Leben am meisten geliebt haben, was sie wertschätzen und welche Entscheidungen sie bereuen.
Den Fotografen George habe interessiert, was Menschen denken, die wissen, dass sie nicht mehr viel Zeit zum Leben haben. Andrew George habe sich gefragt, was im Leben tatsächlich zähle: „Woran werden wir denken, wenn eines Tages unser Leben zu Ende geht? Für welche Begegnungen werden wir dankbar sein? Wie und von wem lernen wir, was wirklich wichtig ist?“ Er sei der Ansicht, dass die Menschen in der westlichen Welt versuchten, den Tod so gut wie möglich auszublenden. Stattdessen solle man sich aber bewusst machen, dass auch einmal das verschwinden werde, dem man die größte Bedeutung beimesse.
Der US-Fotograf hat in einem Zeit­raum von zwei Jahren Menschen in einem Hospiz in Los Angeles fotografiert. Er hat sie interviewt und neben Aufnahmen von ihnen auch Bilder von kleinen, handgeschriebenen Briefen gemacht, in denen die Sterbenden ihre Gefühle ausgedrückt haben. „Manche haben sich sicher gefühlt, darüber zu sprechen, andere wollten es lieber aufschreiben“, erklärt er auf seiner Website. „Manche von uns werden die Größe haben, die Furcht vor der Sterblichkeit zu überwinden, und die ungewisse Reise mutig antreten“, weiß er nach seinem Besuch in der Einrichtung für Sterbebegleitung. Durch seine Interviews hat George festgestellt, dass zwar alle Sterbenden höchst unterschiedliche persönliche Ansichten haben, aber sich manches doch auch sehr ähnelt.
Es gab nämlich trotz unterschiedlicher Hintergründe zwei Dinge, die den Menschen oft zu unwichtig waren, um sie zu erzählen: ihre früheren Berufe und ihr Zustand beziehungsweise die Erkrankung, an der sie sterben werden. Alle 20 unheilbar kranken Männer und Frauen, die Andrew George fotografiert und interviewt hat, sind zwischenzeitlich gestorben. Die berührenden Porträts machen bewusst, sich daran erinnern, was im Leben wirklich wichtig ist - und daran, dass wir nicht endlos Zeit auf dieser Erde haben.

Perspektive und Weisheit
Andrew George selbst sagt zu seinen Bildern: „Diese Porträts vermitteln meine Bewunderung für 20 Männer und Frauen, die dem bevorstehenden Tod ins Auge sehen und dies mit Akzeptanz und Frieden tun. Diese Zeugnisse von einzigartiger Stärke im Umgang mit dem Tod - und dem Sinn des Leben mit solch brutaler Ehrlichkeit - sind etwas, von dem ich glaube, dass wir uns alle inspirieren lassen und es hoffentlich nutzen können, um unser eigenes Leben zu bereichern (…) Ich hoffe, Sie werden sich mit mir an diese wunderbaren Menschen erinnern und ihre Perspektive und Weisheit schätzen.“
Für die Dauer der Ausstellung gelten für die Marktkirche erweiterte Öffnungszeiten: dienstags und freitags: 9.30 bis 12.30 Uhr sowie dienstags bis sonntags: 15 bis 18 Uhr.

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