Vom Städtekranz bis zum Pflug im Wappen

Vom Städtekranz bis zum Pflug im Wappen Ziegeleimuseum inventarisiert seine Bestände - Kulturgut bewahren und zugänglich machen

Lage.
In Zeiten von Corona hatte das Ziegeleimuseum vom 14. März bis 5. Mai 2020 geschlossen. Diese Zeit nutzte das Museum - genauer gesagt: der zum Team der Museumspädagogen zählende Historiker Jürgen Piecha - um einige „Schätze“ aus dem Fundus des Museums einer genaueren Untersuchung zu unterziehen mit dem Ziel, die Gegenstände zu inventarisieren.
Jan Kulüke, wissenschaftlicher Volontär des Ziegeleimuseums: „Das Ziegeleimuseum hat ganz allgemein den Auftrag, Kulturgut aus dem Industriezeitalter nach dem Stand von Wissenschaft und Technik zu bewahren und für Forschungszwecke zugänglich zu machen.“ Das Bewahren und Zugänglichmachen könne allein wegen der schieren Menge der Gegenstände nicht für jedes Objekt in der Dauerausstellung geschehen. Was keine Aufnahme in die Dauerausstellung finde, wandere in der Regel ins zentrale Depot für die Standorte des Industriemuseums, das an der Dortmunder Zeche Zollern angesiedelt ist. Damit die Dinge dort nicht auf Nimmerwiedersehen in einem Regal, einem Karton oder einem Abstellraum verschwinden, werden sie vorher inventarisiert bzw. nach wissenschaftlichen Kriterien verschlagwortet, katalogisiert und beschrieben. So haben spätere Forscher, Historiker und Museumsfachleute die Chance, die Exponate wiederzufinden und für ihre Zwecke nutzbar zu machen.
Bei seinen Inventarisierungsarbeiten stieß Jürgen Piecha auch auf Seltenes und Kurioses, dessen musealer oder materieller Wert sich nur schwer einschätzen lässt. Dazu gehört zum Beispiel ein kräftiger, dickwandiger Steingut-Teller mit einem Durchmesser von knapp 35 Zentimetern, der mit dem Gedicht „Lippischer Städtekranz“ und den Wappen der zehn erwähnten Städte geschmückt ist.

Rarität oder Staubfänger?
Für lippekundige Heimatfreunde sicherlich ein schönes landeskundliches Objekt - für Menschen, denen die Zeilen „Loge de Suckerstadt / Schötmar geuht eugen Patt / Ankhiusen Tönsbergstadt“ nichts sagen, vermutlich ein überflüssiger Staubfänger. Zwei sehr ähnliche Teller, allerdings mit deutlichen Bestoßungen, werden derzeit bei Ebay angeboten für 38 bzw. 129 Euro, jeweils plus 7 Euro Versand.
Ebenfalls kaum einzuschätzen sind zwei filigrane, vermutlich selbstgebastelte Wachs-Modelle, ungefähr H0-Maßstab oder kleiner, die eine Deutz-Feldbahn und einen Eimerkettenbagger darstellen. Die Modelle sind für sich genommen eher amüsant als museal. Im Rahmen einer Ausstellung „Ziegeleien im Modell und als Spielzeug“ wären die beiden Objekte möglicherweise schöne Hingucker und würden aus dem Üblichen herausstechen.
Ein wunderbares Unikat, das an die Einweihung des Ziegeleimuseums am 12. und 13. Mai des Jahres 2001 erinnert, ist eine Nachbildung des Lagenser Stadtsiegels von 1636. Nach den Unterlagen des Ziegeleimuseums schenkte Bürgermeister Wilfried Siekmöller die handgefertigte, etwa tellergroße und sehr schmucke Arbeit einer Fachwerkstatt dem Museum. Möglicherweise ist aus dem Geschenk ans Museum nach fast zwei Jahrzehnten selbst ein semi-museales Objekt geworden, das nun seinerseits auf die Geschichte des Museums verweist. Auf jeden Fall ist die schwere Siegel-Nachbildung im bis jetzt „ausgefallenen“ Jubiläumsjahr „50 Jahre Großgemeinde Lage“ eine schöne Gelegenheit, an das Stadtsiegel zu erinnern.

Pflug im Wappen
Das Charakteristikum des Lagenser Siegels und Wappens ist der Pflug. Schon 1661 wird er in einem Gerichtsprozess als Element des Lagenser Siegels beschrieben und als „von Alters hero“ bekannt bezeichnet. Der erste tatsächliche Siegelabdruck stammt von einer Urkunde von 1601. Es zeigt einen Pflug und trägt den Text: „S OPPIDI LAGENSIS“ also: Siegel des Fleckens Lage. Aufgrund der Gestaltung kann man auf eine Datierung um Mitte des 16. Jahrhunderts schließen. Auch in den nachfolgenden Siegeln des Fleckens oder später der Stadt ist der Pflug zentrales gestaltendes Element.
Warum man in Lage den Pflug wählte, ist nicht bekannt. Bedeutsam ist aber die klare unverwechselbare Gestaltung, die dem Wappen eine leichte Einprägsamkeit verleiht.
Das nächste nachweisbare Siegel ist in Form einer Petschaft (Siegelstempel, Siegelstock) von 1636 im Stadtarchiv Lage erhalten. Es trägt den Text: „SIGGILL. NOV. OPPID. LAGENSIS. 1.6.3.6.“ = Neues Siegel des Fleckens Lage von 1636. Der früheste Abdruck ist als Papiersiegel in einer Prozessakte von 1663 enthalten. Bis 1795 finden sich zahllose Abdrücke.

Nach links, nach rechts

Ab 1825 lässt sich die Verwendung eines neuen Siegels nachweisen. Der Pflug im Wappenstein des Rathausturmes von 1863 ist nach rechts gewendet und mit einem Balken versehen. Darunter befindet sich das Motto „Vorwärts“. Über den Grund der Rechtswendung ist nichts Überprüfbares bekannt. Es wurde wohl von den Auftraggebern so gewünscht. Vermutlich hängt es damit zusammen, dass die Bewegung „Vorwärts“ in der Heraldik mit der Richtung nach rechts, aus der Sicht eines potentiellen Schildträgers, ausgedrückt wird.
Im Geländer der Rathaustreppe von 1956 ist der Pflug wieder nach links gewendet. Vorbild war das 1954 auf Antrag der Stadt neu verliehene Siegel, bei dem man sich bewusst auf die älteste nachweisbare Form berief.
Nach 1933 mussten sich die lippischen Gemeinden auf Wappen und deren Farben festlegen. In Lage entschied man sich für die Farben Blau und Gelb. Nach dem ers­ten Weltkrieg waren die Stadtfahnen noch Rot und Blau gestaltet. Das Rot war aufgrund des roten Balkens auf dem zu dieser Zeit gültigen Wappen ausgewählt worden. Dieser sollte aber auf dem neuen Wappen nicht mehr erscheinen. So legte sich die Stadt auf die Farben Blau und Gelb fest. Offiziell bestätigt wurden die bis heute gültigen Stadtfarben aber erst 1954.

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