Vortrag im Ziegeleimuseum

Lage-Hagen.
Um die Antwort vorweg zu nehmen: Genau weiß Frank Ahrenholz von der Brieftauben-Reisevereinigung Lippe e.V. es auch nicht, wie die Brieftauben wieder nach Hause finden. In einem fundierten Vortrag am letzten Sonntag unterbreitete der Experte unterschiedliche Theorien, darunter den Stand der Sonne, Geruchssinn oder das Magnetfeld der Erde.
Ahrenholz vermutet einen Mix aus verschiedenen Orientierungsmöglichkeiten, die zusammen so etwas wie einen siebten Sinn ergeben, der hoffentlich niemals erforscht werden wird. Damit würde der Brieftaubensport einen Teil seiner Faszination verlieren, so der Experte. Die Brieftauben-Reisevereinigung Lippe gründete sich im Jahr 1907. Ende der 1970-er Jahre erbauten die Mitglieder der fünf Lagenser Vereine Lipperstolz, Lippische Rose, Arminius, zum Werretal Pottenhausen und Heimkehr Heiden in Eigenleis­tung am Ostring in Lage eine neue Halle, die seitdem als Einsatzstelle genutzt wird. Jetzt halten nur noch „Arminius Lage“ und die „Lippische Rose Lage“ die Fahne oben, dazu gekommen sind Züchter aus Lemgo und Bad Salzuflen, so Ahrenholz.

Unterwegs seit
mindestens 2.000 Jahren…
Nachweisbar ist die Brieftaube als Bote seit der Römerzeit. In den Weltkriegen wurde sie als Kurier hinter den feindlichen Linien eingesetzt, bis vor wenigen Jahren hatte das Schweizer Heer noch eine Abteilung mit Militärbrieftauben. Mittlerweile werden die Tiere nur zum Sport genutzt, sie fliegen bei Wettkämpfen 180 bis 500 Kilometer am Stück. Spezielle Weitstreckentauben absolvieren Flüge ab Marseille oder Barcelona mit weit über 1.000 Kilometern. Die Beziehung zum Züchter, zum („Ehe“-)Partner und zum heimatlichen Schlag lassen sie auf schnellstem Weg zurück nach Hause fliegen. Dabei schaffen Sie je nach Wetterverhältnissen Geschwindigkeiten zwischen 70 und 120 km/h.

Mikrochip statt Gummi
Der Fortschritt lässt sich auch im Taubensport nicht aufhalten. Mussten die Züchter früher noch ihren Tauben einen Gummiring vom Bein abziehen und in eine verplombte Uhr stecken, laufen die Tiere heute bei der Heimkehr über eine Antenne. Durch einen Mikrochip im Flugring wird die Zeit erfasst, ähnlich wie bei einer Scanner-Kasse im Supermarkt. Nach dem Start am Auflassort beginnen die Tauben mit Kreisen und Zick-Zack-Bewegungen ihre Orientierung, anschließend erfolgt der Flug grob in die richtige Richtung, am Ende des Fluges schaltet die Taube auf Sicht um. Die Tiere prägen sich Landmarken ein, ist Ahrenholz überzeugt. Heute gibt es bereits Ringe, die über GPS die Route der Taube aufzeichnen. Ein GPS-Chip ist kostspielig, dafür erfährt man in Echtzeit, wo sich die Taube befindet. Es gibt in Südafrika oder China harte Rennen bei denen Millionen Preisgelder ausgesetzt werden, dort ist der Taubensport ein Hobby für reiche Leute und erlebt einen wahren Boom. Auch in Polen, Portugal und anderen Ländern ist die Zahl der Taubenzüchter stabil oder steigt sogar. In Deutschland geht es mit den Mitgliederzahlen bergab, wie in vielen andern Vereinen auch. Der Taubensport mit Brieftauben ist weltweit verbreitet. So haben bei einem Rennen in Südafrika Tauben aus 36 Ländern teilgenommen.

Vom Lehrling zum Profi
Tauben haben eine Lebenserwartung von bis zu zwanzig Jahren. Nach dem Schlüpfen sind sie zunächst Schüler, die das nach Hause finden in kleinen Schritten üben, beginnend mit einer Entfernung von ca. zehn Kilometern. Die Dis­tanz wird dann weiter gesteigert, so dass die jungen Tauben in ihrem Geburtsjahr Entfernungen bis 300 Kilometern absolvieren. Im Alter von zwei bis vier Jahren sind sie im bes­ten Wettkampfalter und am erfolgreichsten.
„Man hat schon eine sieben Tage Woche mit seinen Tauben und besonders in der Reisezeit von Mai bis September verbringt man sehr viel Zeit mit ihnen. Das Hobby ist durch das Futter und die Reisekosten nicht gerade günstig, so der Fachmann, der selbst seit seinem 14. Lebensjahr Tauben züchtet, darum werden mit anderen Reisevereinigungen wie Detmold und Bielefeld Transportgemeinschaften genutzt. Auf den weitesten Flügen werden Tauben aus Rinteln und Hameln dazu geladen, so dass über 8.000 Tauben starten. Nach dem Vortrag ließen Manfred Steinmair, Helmut Kerkhoff und Frank Ahrenholz ihre Tauben vom Ziegeleimuseum in ihr jeweiliges Zuhause fliegen.
Weitere Infos unter: www.brieftauben-reisevereinigung-lage-lippe.com. Der kostenlose Vortrag war Teil des Begleitprogramms zur aktuellen Sonderausstellung „Boten, Helfer und Gefährten – Beziehungen von Mensch und Tier im Wandel“, die noch bis zum 30.10.2022 im Ziegeleimuseum zu sehen ist.

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