Widerstand gegen Ortsumgehung verhärtet sich

Widerstand gegen Ortsumgehung verhärtet sich Grüner Fraktionsvize Oliver Krischer in Ehrentrup - Front der Gegner verneint spürbare Entlastung der Kernstadt-Bürger

Lage-Ehrentrup. „Verkehr und Umweltschutz in Einklang bringen“ - unter diesem Motto besuchte Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen im Bundestag und Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur, gemeinsam mit den beiden Kreissprechern des Grünen Kreisverbands Lippe, Dr. Inga Kretzschmar und Robin Wagener, Bad Salzuflen und Lage am Freitag, 30. August 2019. Oliver Krischer MdB machte Station in Schötmar im Umweltzentrum Heerser Mühle und in Ehrentrup im Vorlandweg. Dort informierte er sich über den derzeitigen Planungsstand der B239n und ließ sich von Gegnern des Bundesstraßenneubaus erläutern, welche Auswirkungen ihrer Meinung nach dieser Bau auf das Umweltzentrum bzw. die Umgebung Lages habe.
Planungsstand für die ca. 6 Kilometer lange Ortsumgehung Lage (B239 S – B239 N) ist, dass für den aufgestellten Entwurf die Genehmigung des Bundesverkehrsmi­nis­­te­ri­ums vorliegt. Die Planung soll im Zuge der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung Ende 2019 / Anfang 2020 der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Das Planfeststellungsverfahren soll 2020 bei der Bezirksregierung in Detmold beantragt werden.
Die geplante Umgehung (Westumfahrung) führt von der B 239 alt (Detmolder Straße, Sülterheide / Seelenkamp) über die B 66 (Bielefelder Straße) bis zur B 239 alt (Schötmarsche Straße, Düwelsmühle). Es ist wahrscheinlich, dass dieser Planungsabschnitt in zwei Bauabschnitte aufgeteilt wird: Der 1. Bauabschnitt führt vom Detmolder Berg bis zum Bielefelder Berg (Bielefelder Straße), der 2. Bauabschnitt vom Bielefelder Berg bis Düwelsmühle.
Beim Ortstermin im Vorlandweg wurde deutlich, dass von den Feinden der Ortsumgehung diese Planungen vornehmlich aus folgenden Gründen abgelehnt werden: Der Verkehr werde nur verlagert, die Innenstadt werde wenig entlastet. Einer wenig spürbaren Entlastung der Einwohner der Innenstadt stünde eine deutliche Verschlechterung der Wohnqualität der Menschen in den neu betroffenen Ortsteilen gegenüber.

„Landschaftsverbrauch“
Der „Landschaftsverbrauch“ des gesamten Neubauprojektes (von Herford bis zur Sülterheide) sei mit etwa 150 Hektar erheblich, sagten Anrainerin Beke Charlotte Hameier (Branding’s Hof) und Volker Schubach, Vorsitzender der „Bürgerinitiative B 239 neu - Ortsumgehung Ehrentrup - Nein Danke!“ Die Artenvielfalt und die Landschaft würden bedroht. Einzelne landwirtschaftliche Betriebe seien in ihrer Existenz gefährdet.
Die Erholungsfunktion des Lagenser Außenbereiches würde erheblich beeinträchtigt. Die mit der Ortsumgehung erhoffte Steigerung des Gesamtverkehrswertes der B 239n (sicherer, komfortabler und schneller von (Höxter und) Detmold über Lage nach Bad Salzuflen / Autobahn (und weiter über Lübbecke nach Diepholz) lohne nicht die hohen Kosten des Straßenneubaus. Insbesondere der Kostenaufwand für die sehr aufwändigen Brückenbauwerke sei nicht zu vertreten. Und schließlich werde der Lagenser Einzelhandel von weiträumigen Umgehungsstraßen, die die Mittel- und Oberzentren der Umgehung sehr schnell erreichen lassen, eher nicht profitieren.
Der Grünen-Politiker Krischer gab den Kritikern Recht und ergänzte, dass der jüngste Bundesverkehrswegeplan (BVWP 2030) zwar im Jahr 2016 beschlossen worden sei, dass aber die darin aufgenommenen Straßenbauprojekte bereits im vergangenen Jahrhundert geplant worden seien. Oliver Krischer: „Mittlerweile haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Jetzt geht es darum, den Klimaschutz zu intensivieren.“ Der BVWP 2030 dürfe nicht „auf Biegen und Brechen durchgezogen werden.“
Der im Jahr 2016 von der damaligen Bundesregierung und dem Bundestag verabschiedete BVWP 2030 fand seinerzeit auch die Zustimmung der NRW-SPD. Die nordrhein-westfälischen Sozialdemokraten frohlockten in ihrer Bewertung der Straßenbaumaßnahmen, die für das bevölkerungsreichste Bundesland vorgesehen seien, dass der Plan ein guter Plan sei. NRW werde „überraschend positiv“ bedacht, zeigte sich die nordrhein-westfälische SPD-Landtagsfraktion zufrieden. „Das ist ein sehr guter Tag für Nordrhein-Westfalen“, sagte ihr Verkehrsexperte Jochen Ott vor drei Jahren.

„Aus der Zeit gefallen“
Ganz anders jetzt Oliver Krischer. Für die Lagenser Gegner der B 239n gebe es immer noch Chancen, den Straßenneubau zu verhindern, sagte der Fraktionsvize. Man müsse immer wieder „mit allen Verantwortlichen reden“ und dürfe nicht aufgeben, das „aus der Zeit gefallene Straßenbauprojekt B 239n“, dessen erste Planungen in die 1960er Jahre zu­rück­führen, zu kritisieren und zu geißeln. Sehr hilfreich wäre natürlich ein eindeutiges Votum des Stadtrates gegen die Ortsumgehung. Ein solches kommunales Statement würde gehört.
Der beim Vorlandweg-Ortstermin anwesende SPD-Ratsherr und Ortsvereinsvorsitzende der SPD-Waddenhausen, Detlef Steffen, sagte, dass es in der Lagenser SPD „unterschiedliche Ansichten zum Projekt B 239n“ gebe. Für den Ortsverein Waddenhausen könne er versichern, dass dieser die neue Trasse ablehne.

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